Mittlerweile lebt Kevin Morby in Los Angeles, seine Zeit im Mittleren Westen hat ihn aber stark geprägt. Mit “Little Wide Open” (Dead Oceans) erfährt die Trilogie, die diese Lebensphase beschreibt, einen Abschluss. Das sehnsuchtsvolle “Sundowner”, das nostalgische “This Is A Photograph” und jetzt das Album, das sagt: “Schön Scheiße hier.”
“Badlands”, aber sonnendurchflutete. Einöde voller Blumen, ein sanfter Hauch weht den Geruch nach Müll weg. Morby streift mit offenen Augen durch eine Landschaft, die Wohlgefühl mit Widerspenstigkeit paart. Dabei hatte er eine ganze Armee an Gleichgesinnten.
Aaron Dessner von The National spielt und produziert, Justin Vernon, Meg Duffy, Amelia Meath – große Namen sind dabei. Harfen und Banjos begleiten den typisch kauzigen Morby-Folk. Die Songs bäumen sich gerne nach zartem Start auf.
“Natural Disaster” etwa, das nach fünf Minuten erst so richtig in die Vollen geht. Lucinda Williams ist hier dann auch recht wunderbar. Die Songs haben stets einen ähnlichen Flow, keine Ausreißer, keine “1, 2, 3, 4”-Einlagen. Der Punk hat im Mittleren Westen nichts zu suchen.
“Little Wide Open” ist sicherlich Morbys rundeste Arbeit. Alles greift gut ineinander und die Platte rät zur gedanklichen Flucht in die Ferne an. Jetzt sind wir auf glamouröse L.A.-Sounds gespannt.
Kevin Morby – Little Wide Open: Schön abgerundeter Folk Rock – RIFL